Tadasana

Die Haltung des Berges

Ein Berg ist das Synonym für Erhabenheit, Beständigkeit, sowie Unveränderlichkeit. Seine wesentlichsten Merkmale sind Größe, Höhe, Weite und ein Fundament, dass fest mit dem Boden verankert ist; ein Gipfel, der sich bis in die Wolken erstrecken kann.


Dazu hat jeder einzelne Berg immer ausreichend Abstand zu anderen Bergen – ist also gewissermaßen eigenständig, aber nicht allein, denn in Gesellschaft mit anderen Bergen bildet er ein Gebirge oder einen Gebirgszug. Natürlich gibt es auch allein stehende Berge; allerdings deutlich seltener.

Durch die häufig majestätische Erhabenheit eines Berges verbinden viele Menschen mit ihm das Gefühl von Ruhe, Gelassenheit und Frieden.


Genau diese Ruhe und Gelassenheit, sowie das Gefühl des inneren Friedens, kann dir auch Tadasana – die Position des Berges – vermitteln. Diese stark erdende und aktivierende Haltung kann dir helfen in deinem eigenen Körper präsent zu sein. So wie der Berg seine Stärke und Beständigkeit aus der festen Verankerung mit der Erde schöpft, so kannst du aus der Standfestigkeit und Aufrichtung dieser Asana Ruhe und Gelassenheit entwickeln.

Wenn der Körper im Lot und leicht ist, so ist der Geist beweglich“ und „Darum ist es wesentlich, die Kunst des fehlerlosen Stehens zu erlernen"

B.K.S. Iyengar

Tadasana tut einfach gut und kann fast immer und überall geübt werden. Wo immer man wartet, kann man sich bewusst hinstellen, die Erde unter und den Himmel über sich spüren und Ruhe und Gelassenheit erfahren und vielleicht auch ein wenig Frieden wahrnehmen.

Frau in Yogapose Tadasana - Der Berg
  • Sanskrit
  • Asana
  • Modifikation
  • Kontraindikation
  • Wirkung
  • Visualisieren
  • Affirmation
  • Krama
  • Symbolik
  • Geschichte

Tadasana wird je nach Yoga-Stil auch Samastitih genannt. 

Tada heißt „Berg”, Sama bedeutet „gerade, aufrecht, unbewegt” und Sthitih „stillstehen, Standhaftigkeit”.

Eine Stellung, in der man fest und aufrecht steht, standhaft bleibt und allen Widerständen trotz - also ganz wie ein Berg.

Wenn du Tadasana schrittweise einnimmst, achte auf die Details der Position und deine eigene Körperspannung.

  • stehe im stabilen Stand mit geschlossenen oder hüftweit auseinander stehenden Füßen
  • deine Fußkanten sind parallel und dein Gewicht verteilst du gleichmäßig auf beide Fußsohlen
  • du hebst deine Zehen an und legst sie einem nach dem anderen gespreizt wieder auf der Matte ab
  • jetzt verteilst du das Gewicht gleichmäßig auf den Groß- und Kleinzehballen sowie das Fersenbein
  • dein Becken richtest du auf und aktivierst dabei die Bauch- und Gesäßmuskulatur
  • deine Oberschenkel und Schienbeine sind leicht nach innen gedreht
  • aktiviere deinen Stand indem du die Knie leicht anbeugst und das Brustbein nach oben hin anhebst
  • dein Nacken soll stressfrei sein und anmutig langgezogen werden
  • deine Schultern streben leicht nach hinten unten
  • die Arme lässt du seitlich nach unten fließen und die Hände weich werden
  • deine Augen können sich sanft schließen und deine Gesichtszüge entspannen

Tadansa kann in unterschiedlichsten Varianten ausgeübt werden, wobei aufgrund der Stabilität und Aufrichtung der Fokus auf Hand- und Armvariationen liegt.

Hände und Arme
  • Arme locker hängen lassen - Handflächen an die Oberschenkel, nach vorne oder nach hinten ausrichten
  • Hände vor der Brust zusammengeschlossen in Anjalo-Mudra
  • Hände auf das Brustbein, die Rippenbögen, den Oberbauch oder dem Unterbauch
  • Arme über die Seiten aufgespannt
  • Arme in Richtung Himmel strebend
Füße
  • Die Füße können entweder geschlossen oder hüftschmal geöffnet sein
  • Fußinnenkannten aneinander stehend oder Fußaußenkanten parallel
  • auf den Zehenspitzen oder dem Fersenbein stehend
  • Gewichtsbelastung auf die Zehenballen oder das Fersenbein verlagern

Bei einer Schwangerschaft, Gleichgewichtsproblemen oder etwas mehr Gewicht sollten die Füße eher etwas weiter auseinandergestellt werden und gleichzeitig weniger Gewicht auf die Fersen gegeben werden.

Mit der Zeit nimmst du die Erde unter dir und ihre Energie immer bewusster wahr. Vielleicht spürst du auch den Energiezufluss über die Füße und das Zirkulieren der Energie in deinem Körper intensiver.

Durch eine regelmäßige Praxis kann sich deine Ausstrahlung, dein Selbstwertgefühl und dein Selbstbewusstsein verändern.

Tadasana solltest du ganz oder teilweise vermeiden, wenn sich nachfolgende Symptome bei dir zeigen:

  • Kopfschmerzen
  • niedriger Blutdruck
  • Schwindelgefühl
  • Schlaflosigkeit
  • akute oder chronische Schulterproblem
  • Achtsamkeit bei Hohlkreuz

Grundsätzlich gilt wie bei Allem: nehme die Signale deines Körpers wahr und ernst; achte auf deine persönlichen Grenzen.

Überforderung tut niemandem gut; Unterforderung aber auch nicht.

Körperliche Wirkung

Tadasana kann dein körperliches Gleichgewicht und deine Körperhaltung im Allgemeinen verändern.

Das aufrechte und bewusste Stehen kann ...

  • eine Wohltat für die Füße bieten
  • die Knöchel, Knie und Oberschenkel stärken
  • deine Wirbelsäule und Hüften entlasten
  • die Verdauung anregen
  • deine Rückenmuskulatur trainieren und stärken
  • deinen Brustraum erweitern und die Atmung verändern

Welche Wirkung du in welcher Weise und Intensität wahrnimmst hängt natürlich auch sehr stark von deinem allgemeinen körperlichen Zustand und deinem Körperempfinden ab.

 
Geistige Wirkung

Tadasana unterstützt dich dabei deine Aufmerksamkeit und Achtsamkeit auf dich und deine unmittelbare Umgebung zu lenken. Auf diese Weise stärkst du deine Konzentrationsfähigkeit und hast die Möglichkeit mehr Ruhe und Gelassenheit in dir einkehren lassen.

Mit Unterstützung von Tadasana hast du die Möglichkeit Stress zu reduzieren, deinen Geist zu stabilisieren, zu fokussieren um Körper, Geist und Seele mehr in Einklang zu bringen.

Werde dir deiner Stärken bewusst und finde die Qualitäten des Berges in dir.

Energetische Wirkung

Tadasana spricht dein Muladharachakra an und hilft dir dich wieder stärker zu erden.

Die Bergposition kann dir frische, neue Energie und Konzentration bringen - wann immer du dies brauchst, stell dich für einen kurzen Augenblick aufrecht und fest geerdet hin - nimm die Energie des Bodens unter die bewusst wahr und in dich auf.

Mit der Zeit nimmst du die Erde unter dir und ihre Energie immer bewusster wahr. Vielleicht spürst du auch den Energiezufluss über die Füße und das Zirkulieren der Energie in deinem Körper intensiver.

Durch eine regelmäßige Praxis kann sich deine Ausstrahlung, dein Selbstwertgefühl und dein Selbstbewusstsein verändern.

 
Spirituelle Wirkung

In spiritueller Hinsicht kannst du deine persönliche Stärke aus der Erde ziehen und auf dich selbst vertrauen.

Gleichzeitig hast du die Möglichkeit dich nach oben hin immer weiter zu öffnen und dich dem Universum anzunähern.

In vielen Glaubensrichtungen wohnen die Götter weit oben auf einem Berggipfel. Der Berg ist die Leiter/der Weg hinauf zu ihnen.

Daher ist auf vielen kleineren und mittleren Berggipfeln eine Kapelle oder Gedenkstätte zu finden. Auf den Gipfeln der Hochgebirge in Europa und Amerika befinden sind Gipfelkreuze.

Je weiter du in deinem Berganstieg/auf deinem spirituellen Weg voranschreitest, desto näher kannst du dem Universum, der Einheit oder deiner persönlichen Gottheit kommen.

  • du bist im Moment und bittest deinen Geist um Ruhe
  • in deiner Vorstellung gibst du Gewicht in den Boden unter dir ab und wirst eins mit ihm
  • von den Füßen bis zur Kopfkrone richtest du dich in deiner ganzen Erhabenheit auf
  • du strahlst die Ruhe, den Frieden und die Beständigkeit eines Berges aus
  • nimm mit geschlossenen Augen wahr wie sich deine Haut durch den leichten Windhauch verändert wie die Oberfläche eines Berges
  • in deinem Inneren spürst du die aus der Erde fließende Energie, das Leben, die Bewegung, die Regeneration und die Veränderung in dir
  • Ich bin fest wie ein Berg.
  • Ich habe einen festen Standpunkt.
  • Ich stehe fest verbunden mit dem Boden und wachse zum Himmel!
  • Stürme des Lebens mögen kommen - ich kann fest und ruhig sein.

Asanas, die in die Haltung führen:

  • Uttanasana – die stehende Vorwärtsbeuge
  • Utthita Tadasana – der Stern
  • Virabhadrasana I – der Krieger I

Asanas, die aus der Haltung heraus entstehen:

  • Ardha Chandrasana – der Halbmond
  • Utkata Konasana - die stehende Kniebeuge
  • Uttanasana – stehende Vorwärtsbeuge
  • Utthita Tadasana - der Stern
  • Vriksasana - der Baum

Drishti, der Fokuspunkt:

  • mit geöffneten Augen ist der Blick in die Unendlichkeit gerichtet
  • mit geschlossenen Augen ist der Blick auf dein drittes Auge im Inneren gerichtet

Hier ein kleiner - definitiv unvollständiger - Auszug aus der Symbolik des Berges:

  • Berge gelten in vielen Religionen als Sitz von Göttern oder Geistern
  • der Himalaya ist in der hinduistischen Vorstellung der Sitz des Königs und Vaters der Götter - der Wohnsitz von Shiva und Parvati
  • Gurus, Heilige und Eremiten ziehen sich in die Berge zurück, um dort dem Erhabenen näher zu sein
  • religiöse Gebäude ahmen oft Berge nach, so die altorientalische Zikkurat, die Stufenpyramiden der Maya und die buddhistischen Stupas
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  • Der Berg bildet eine Achse zwischen Erde und Himmel
  • der Weltberg Meru ist das Zentrum des indischen Kosmos, um den sich Sonne, Mond und Sterne drehen
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  • Berge sind häufig eine Zuflucht
  • Noahs Arche landete nach der Sintflut in göttlicher Nähe auf dem Berg Ararat
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  • das Element Wasser entspringt in den Bergen
  • im Himalaya wird der heilige Fluss Ganges geboren, fängt sich in den Haaren Shivas und wird durch sie zur Erde geleitet
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  • Der Berg symbolisiert die Herausforderungen im eigenen Leben und der Gipfel die persönlichen Ziele
  • "den Berg erklimmen" spricht die Anspruchs-, Leistungs- und Erfolgsthematik der westlichen Gesellschaft an
  • ganz oben zu stehen, Ehrgeiz und Zielstrebigkeit, Ausdauer und Beharrlichkeit
  • aber auch für Mühe, Anstrengung oder Überanstrengung
  • der "Abstieg" wird als schwierig und belastend empfunden, häufig nicht honoriert 
  •  
  • durch das Gefälle von oben und unten berührt der Berg Themen wie Macht und Ohnmacht, Kraft und Schwäche, Dominanz und Unterwerfung
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  • der Blick vom Gipfel eines Berges relativiert viele Dinge
DER HEILIGSTE DER HEILIGEN – eine kluge Geschichte

Der Kailash in Tibet ist nicht nur „irgendein“ heiliger Berg, sondern er hat den Ruf als heiligster Berg überhaupt.

Der Gipfel des Kailash im Westen des Transhimalaya wurde noch nie bestiegen, nicht einmal von Reinhold Messner. 1985 wurde ihm die Besteigung des Kailashs gewährt, er verzichtete allerdings auf die Ausführung. Es wäre ein Sakrileg, den Berg mit Seil und Haken zu erobern, begründete Messner seine Entscheidung: „Die Einheimischen wollen das nicht“ (Geo Saison 3/14). Und so begnügte sich der Extrembergsteiger mit der Umrundung des heiligen Bergs, von der er selbst sagte, es wäre „eine der stärksten Wanderungen, die man machen kann.“

„Nur wer frei von jeglicher Sünde ist, könnte das schaffen“, heißt es in Tibet. Alles andere käme einer Gotteslästerung gleich. Einzig der Yogi Milarepa soll auf einem Sonnenstrahl sitzend um 1100 den Gipfel des Kailash erreicht haben, ohne den Berg selbst dabei berührt zu haben.

Seine Höhe beträgt 6.638 m im tibetanische Transhimalaya. Er ist der Heilige Berg der Hindus, Buddhisten, Jainisten und der präbuddhistischen Bön. Im 12. Jahrhundert sollen sich der buddhistische Yogi Milarepa und der Bön-Meister Naro ein Wettsteigen zum Gipfel geliefert haben. Hindus glauben, dass auf seinem Gipfel Gott Shiva, der Zerstörer aller Illusionen, residiert.

Der Berg ist für Pilger ein begehrtes Ziel. Wahre Gottesanbeter geben sich das 52-km-Trekking durch permanentes Ausmessen mit ihrer Körperlänge - der Staub wirbelt auf – jedes Mal, wenn sie sich zu Boden werfen und im Kies eine Länge vorwärts robben. Aufstehen, niederwerfen, robben. Aufstehen, niederwerfen, robben. Diese Art der Fortbewegung erfordert nicht nur physische und mentale Stärke – sie kostet auch Zeit.

Während die 53 km lange Kora (Umrundung) um den heiligen Berg Kailash problemlos in drei Tagen zu schaffen ist, brauchen die überwiegend buddhistischen Pilger bis zu zwei Wochen für ihre aus fortwährenden Niederwerfungen bestehende Umrundung. Doch damit nicht genug. Zur Erleuchtung gelangt erst, wer den Kailash ganze 108 Mal umrundet hat.

Aus <https://www.bergwelten.com/a/heilige-berge-wo-die-gotter-wohnen